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Bambusbecher: wenig Bambus, viel Kunstharz

(Servicezeit, WDR, 17.09.2020)

Der kurze aber prägnante Bericht warnt vor scheinbar nachhaltigem Bambus- oder Melamingeschirr, denn vor allem bei Ersterem handele es sich um „eine doppelte Mogelpackung“ – erstes in Bezug auf das Recycling, und zweitens stellt es eine Gesundheitsgefahr dar: Das Geschirr ist auf Melaminharzbasis hergestellt und besteht noch nicht einmal zur Hälfte aus Bambus. Das Melaminharz des Melamingeschirrs setzt sich aus Melamin und Formaldehyd zusammen, es darf also nicht zu heiß oder Säure ausgesetzt werden, da ansonsten das Formaldehyd freigesetzt wird, das heißt, es geht in die Flüssigkeit oder das Essen über und wird, da es verdampft, auch eingeatmet. Ein Zeichen dafür, dass das Melamingeschirr bereits Giftstoffe abgegeben hat, ist ein stumpfes Erscheinungsbild. Als Alternativen wird im Film das nahezu ebenso stabile und gut recyclebare Polypropylengeschirr genannt.

Tipp: Wer gänzlich auf Kunststoffgeschirr auch für Kinder verzichten möchte, greift am Besten zu Edelstahl- oder Vollholzgeschirr. Dies ist beispielsweise bei Kivanta erhältlich. (Zu bedenken ist allerdings, dass das Edelstahl heutzutage meist aus China stammt und somit leider ebenfalls nicht gänzlich unproblematisch ist.)

Bauen, mieten, leben. Ideen für bezahlbares Wohnen

(arte, Re:, 03.09.2020 / ZDF-Dokumentation)

Die Sendung zeigt, wie der angespannte Wohnungsmarkt durch kreative, soziale und ökologische Lösungen entschärft werden kann (die Konzepte werden jeweils zusätzlich am theoretischen Modell erklärt):

a) Baugenossenschaft: Eine Siedlung entsteht auf einem ehemaligen Kasernengelände durch sozialgerechte Nutzung des Bodens; die Mieter leisten eine Einlage, müssen aber keine Kündigungen wegen Eigenbedarf oder unrealistische Mieterhöhungen fürchten; es gibt Gemeinschaftsflächen und -aktivitäten, Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr, E-Mobilität, viel Grün, Coworking-Spaces, eine Quartierszentrale sowie eine ökologische Mustersiedlung aus Holz.

b) Eine Idee aus den Niederlanden: Auf einer Fläche von 11.000 m² entstehen durch organische Planung individuelle Wohnhäuser mit 160 m² pro Familie, die Aufteilung des Grundes ist somit vorgegeben; ein Beispiel ist ein Wohnhaus mit integriertem Gewächshaus; „billiges Bauland, Eigeninitiative und Verantwortung“ bilden in diesem Modell die Basis des bezahlbaren Wohnens, da auch die Pflege der Umgegend, inkl. Agrarflächen, in Teamwork geleistet wird.

c) Firma, die Mitarbeitern Wohnungen bietet (Chef = Vermieter): Zu erschwinglichen Mieten befinden sich die Wohnungen in der Nähe des Arbeitsortes, um langfristige Arbeitsverhältnisse zu gewährleisten: das Modell: „Gemeinde sorgte für Baurecht, Freistaat Bayern half mit einer einkommensorientierten Förderung für Neubauten und gibt bei Bedarf einen Mietzuschuss“; anhand der Verkehrsbetriebe Hannover wird demonstriert, wie dieses Modell soziales Engagement und die Möglichkeit einer langfristigen Geldanlage kombiniert.

Holzbau hat Zukunft

(3Sat, nano, 16.09.2020)

Zement macht 8 % des weltweiten Treibhausgas-Ausstoßes aus – durch Holzbauweise wäre es möglich, diese Zahl zu verringern, wie der Bericht aufzeigt. Holz als Baumaterial macht zudem sehr exaktes Bauen möglich, und auch in Bezug auf den Brandschutz ist mittlerweile bekannt, dass Holz seine Stabilität beim Brennen nicht verliert; hinzu kommt ein angenehmes Wohnklima, da das Holz lebt. Sowohl Wohnhäuser, als auch Hochhäuser sind in Holzbauweise möglich. Allerdings erscheint es als Baumaterial auf den ersten Blick vergleichsweise teuer, betrachtet man jedoch den gesamten Lebenszyklus, ist es wesentlich günstiger als andere Baustoffe (da es z. B. schon die Dämmung enthält).

Info: In der Talkshow Maischberger. Die Woche vom 16.9. wird behauptet, aus Holz könne man keine Hochhäuser bauen. Der obige Beitrag beweist das Gegenteil: Bis zu einer gewissen Größe ist es durchaus möglich, auch Hochhäuser aus Holz herzustellen, das wäre mehr als ausreichend.

Plastik im Ozean

(3Sat, nano, 19.08.2020)

Die fünfwöchige Expedition in den sog. nordpazifischen Müllstrudel hat gezeigt, dass es sich hierbei nicht – wie gemeinhin angenommen – um einen großen Plastikteppich oder mehrere Plastikinseln handelt. Gleichwohl konnten vielfältige Proben sowohl von der Wasseroberfläche als auch dem Meeresboden entnommen und sogar deren Herkunft bestimmt werden: Flaschen, Kleidung oder Fischernetze sind einige der Kunststoffquellen. Nach wie vor ist jedoch unklar, welche genauen Auswirkungen das Plastik auf die Meere hat. Es gilt also, nicht nur seitens der Wissenschaft das Problem in Angriff zu nehmen, sondern jeder einzelne sollte in seinem Alltag darauf bedacht sein, möglichst wenig Plastik zu verwenden, so dass dieses erst gar nicht in die Gewässer gelangen kann.

Weniger Essen für die Tonne – so könnt’s klappen:

(3Sat, nano, 06.05.2020)

Der Bericht verdeutlicht, dass Appelle an die Verbraucher, die immerhin für die Hälfte der Lebensmittelverschwendung verantwortlich sind, dennoch nicht ausreichen, um der sowohl ökologisch als auch ökonomisch irrsinnigen Verschwendung von Ressourcen schon bei der Erzeugung der Nahrungsmittel Einhalt zu gebieten. Hierfür sind – wieder einmal – die (politischen) Rahmenbedingungen entscheidend, das heißt, die gesamte Kette der Lebensmittelproduktion ist von Bedeutung: die falsche, auf Masse statt Klasse setzende aktuelle Subventionierung müsste beendet und es müssten regionale, kurze Kreisläufe gefördert werden. Konkret könnte solch ein Systemwechsel, im Rahmen dessen nicht mehr jede dritte Kartoffel weggeworfen wird und wir uns von Mengenrabatten und Überangebot distanzieren, etwa durch Solidarische Landwirtschaft erreicht werden: Die Landwirte erhalten hier von den Kunden, an die direkt die Erzeugnisse geliefert werden, ein Grundeinkommen und wirtschaften unabhängig, jenseits der Zwischenhändler und  Supermarktketten. Letztlich kann aber doch der Verbraucher schon jetzt solche Modelle unterstützen.

Tipp: Ein praktisches Modell bilden auch die Bio-Lieferdienste, die im meist wöchentlichen Turnus die Kunden auf Wunsch mit biologischen und regionalen Produkten versorgen.

Bioland-Produkte bei Lidl

Im Rahmen dieser MARKT-Sendung des WDR wird darüber berichtet, dass Lidl in Zukunft auch Produkte mit dem Bioland-Siegel anbieten wird. Produkte, die das Bioland-Siegel tragen, genügen strengeren Produktions-Kriterien als solche, die lediglich mit dem EU-Bio-Siegel gekennzeichnet sind. Die strengeren Kriterien zeigen sich in Bezug auf die Herkunft der Waren sowie in der Tierhaltung beispielsweise daran, dass pro Hektar nur 280 Hähnchen erlaubt sind, unter dem EU-Bio-Siegel dagegen 580 bzw. 10 Schweine pro Hektar, während das EU-Bio-Siegel 14 Schweine zulässt. Auch der Medikamenteneinsatz in der Tierhaltung ist unter dem Bioland-Siegel strenger geregelt. Der Bericht thematisiert auch den von Lidl zugesagten Umgang mit den Bioland-Produzenten.

Kommentar: Bioland bei Lidl – gut oder schlecht?

Unter diesem Link findet sich eine Bewertung der Kooperation zwischen Lidl und Bioland einer Redakteurin der Zeitschrift „Schrot & Korn“. Die Sprecherin thematisiert Risiken und Chancen der „Verschwisterung“ und kommt letztlich zum dem Schluss, man solle diesem Vorhaben zunächst einmal unvoreingenommen oder gar positiv gegenübertreten, da jedes verkaufte Bioland-Produkt mehr einen Zugewinn im Umgang mit unserem Planeten bedeute.

(entsprechender Link folgt)

Schokolade. Das bittere Geschäft

Der Film deckt die Schattenseiten unserer bunten (konventionellen) Schokoladenwelt und -industrie auf, die ihren bitteren Preis in Abholzung von geschütztem Regenwald, Sklaverei und Kinderarbeit haben. Am Beispiel der Elfenbeinküste wird der Zuschauer mit illegalen Kakaoplantagen als rechtsfreien Räumen konfrontiert, auf denen durch Menschenhändler angeheuerte Kinder mitunter jahrelang ohne Entlohnung schuften. Auch die Umwelt, für deren Schutz die Regierung zuständig wäre, leidet massiv unter dem Einsatz giftigster Chemikalien wie Glyphosat und dem steten Vordringen der Kakao-Monokulturen; der Klimawandel leistet der Verarmung der Region Vorschub, und das Geld selbst für zertifizierten Kakaoanbau kommt nicht immer bei den Bauern an. Was die Käuferseite betrifft, so sind die Lieferketten völlig intransparent: Den Zwischenhändlern und der die Bohnen verarbeitenden Industrie sind die Zustände auf den Plantagen häufig nur unzureichend bekannt oder sie werden verschleiert, obwohl die Händler bereits 2001 beschlossen hatten, das Problem anzugehen.

Tipp: Eine ethische und umweltbewusste Alternative zu der „bitteren Schokolade“ bietet beispielsweise die auf der Basis von ökologisch-sozialem Kakaoanbau in Agroforstsystemen nach den strengeren Naturland-Standards hergestellte Schokolade von dm (s. Innenseite der Schokoladenverpackung).

Weitere Hintergründe zum Thema Schokolade bietet der Film „Schmutzige Schokolade“

Kühl ohne Klimaanlage

Was den Bedarf an Klimaanlagen betrifft, so steigt dieser weltweit an – und gleichzeitig ist eine Verdreifachung des Stromanstiegs zu befürchten: Durch den Einsatz von Klimaanlagen vor allem auch in Privathaushalten sowie von Kältemitteln wird der Klimawandel bzw. die Erderwärmung zusätzlich begünstigt. Dabei existieren längst Lösungen für das Temperatur- und Belüftungsproblem, wie exemplarisch das Gebäude 22/26 in Lustenau (Österreich) zeigt: dieses benötigt – bei einer konstanten Temperatur zwischen 22 und 26 Grad – weder Heizung noch Klimaanlage. Das Vorbild findet diese innovative Architektur (mit dämmendem Mauerwerk, tiefliegenden Fenstern, hellem Putz und Lüftungssystem) in alten Schlösser und Burgen. Der Beitrag liefert auch Tipps, was beim heutigen Hausbau zu beachten ist, um sowohl für Bewohner als auch Umwelt möglichst klimaoptimal zu bauen  und stellt schließlich als Positivbeispiel eines öffentlichen Gebäudes die Müllverbrennungsanlage Spittelau von Friedensreich Hundertwasser vor.

Strom to go. Batterien für die Energiewende

Der Film stellt innovative deutsche Unternehmen vor, die sich mutig an der europäischen Aufholjagd gegenüber der asiatischen Batterieherstellung und -forschung beteiligen. Die Anforderungen an Batterien sind heutzutage vielfältig, vor allem sollen diese schnellladefähig sein und eine lange Laufzeit besitzen; andererseits besteht nach wie vor das Explosionsrisiko. Neben optimierter Haltbarkeit und Sicherheit der Batterien, muss das Ziel zudem darin bestehen, die Umwelt- und CO2-Bilanz zu verbessern, das heißt, die Recycling-Quote, die EU-weit bei nur 50 % liegt (Kabel sogar eingerechnet), zu erhöhen sowie weniger Kobalt zu benötigen. Als Beispiel hierfür wird die Lithium-Schwefel-Batterie genannt. Des Weiteren liefert der Beitrag hilfreiche Verbrauchertipps, um das Leben der Batterie etwa des eigenen Smartphones zu verlängern. Originell ist auch die Einrichtung im Amsterdamer Stadion, das bei Stromausfall keine Dieselgeneratoren benötigt, sondern von ausrangierten Batterien aus Elektroautos gespeist wird. Das Fazit auch dieser Dokumentation lautet, es müssen politische Rahmenbedingungen geschaffen werden, um in Deutschland energietechnisch ernsthaft voran zu kommen.